Bildungsberatung heißt Orientierung geben

Inhalt
Diese Gespräch haben wir in einem Seminar für Bildungsberater*innen geführt. Den ungekürzten Text könnt ihr im Podcast hören.

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Bildung in Bewegung. Heute sprechen wir über Bildungsberatung. Dazu habe ich, Sabine Künzel vom Fachbereich Bildung der IG Metall, zwei Gäste eingeladen: Carmen und Andreas. Schön, dass ihr da seid.

Andreas
Danke, guten Abend zusammen.

Sabine
Wir sitzen heute im Bildungszentrum Beverungen, wo gerade ein Seminar zum Thema Bildungsberatung stattfindet. Erzählt doch kurz, wer ihr seid und wie ihr zur Bildungsberatung gekommen seid.

Andreas
Ich heiße Andreas, arbeite in Hanau und bin seit 2017 im Betriebsrat. Bildung war bei uns lange unstrukturiert, deshalb habe ich versucht, Ordnung reinzubringen.

Carmen
Ich bin Carmen, komme aus Hasbergen-Gaste bei Osnabrück. 2018 habe ich das Thema Bildungsberatung von meinem Vorgänger übernommen. Anfangs war es viel Improvisation, inzwischen ist es strukturierter, auch dank der IG Metall.

Sabine
Zur Erklärung: „Biber“ steht für Bildungsberater:innen. Erzählt doch mal: Was versteht ihr unter Bildungsberatung?

Carmen
Für mich ist das ein bunter Strauß an Aufgaben: Informationen über Bildungsprogramme sammeln, Kolleg:innen motivieren, organisatorisch unterstützen und auch nachhaken: „Was hast du mitgenommen?“ Es geht um Begleitung von Anfang bis Ende.

Andreas
Genau. Bildungsberatung heißt, Orientierung geben: Welche Angebote passen zur Person, zum Betrieb, zur Rolle? Das reicht von Seminaren der IG Metall über den DGB bis hin zu Volkshochschulen. Wir strukturieren diese Vielfalt.

Carmen
Und wir fördern gezielt Kompetenzen – indem wir Interessen herauskitzeln und Menschen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen.

Sabine
Für wen macht ihr Bildungsberatung konkret?

Andreas
Vor allem für Betriebsräte und Vertrauensleute. Manche haben Interesse an Arbeitszeitfragen, andere an Gesundheitsschutz oder Entgelt. Wir sprechen sie gezielt an und helfen, den passenden Weg zu finden.

Carmen
Viele kommen auch von sich aus, z. B. wegen Bildungsurlaub. Gerade Neueinsteiger:innen versuche ich besonders zu fördern, weil sie oft viel Potenzial haben.

Sabine
Welche Fähigkeiten braucht man für Bildungsberatung?

Andreas
Vor allem Herz und ein offenes Ohr. Man muss verstehen, wo Kolleg:innen hinwollen, und passende Wege aufzeigen.

Carmen
Kommunikationstalent und Organisation gehören auch dazu. Pläne ändern sich oft – da braucht es Flexibilität.

Sabine
Wie sieht ein klassischer Bildungsweg in der IG Metall aus?

Andreas
Meist beginnt er mit dem Grundlagenseminar „Arbeitnehmer:innen in Betrieb, Wirtschaft und Gesellschaft“. Darauf folgen die vier Seminare der Vertrauensleute-Reihe, die innerhalb einer Wahlperiode besucht werden können. Danach können sich Kolleg:innen spezialisieren – betriebs- oder gesellschaftspolitisch oder in Richtung Betriebsrat.

Sabine
Wie wird man eigentlich Bildungsberater:in?

Carmen
Bei mir kam die Berufung durch die Geschäftsstelle. Im Betrieb informieren wir über Aushänge und Betriebsversammlungen, sodass die Leute wissen: „Carmen ist zuständig.“

Andreas
Bei uns ähnlich. Manche Kolleg:innen kommen direkt, andere spreche ich aktiv an, z. B. in Abteilungsrunden. Viele wissen gar nicht, dass es Bildungsurlaub gibt – da ist Aufklärung wichtig.

Sabine
Klingt nach viel Arbeit. Welche Herausforderungen gibt es?

Andreas
Der Arbeitgeber ist nicht immer begeistert, wenn er Leute freistellen muss. Dann wird genau geprüft: Ist der Anbieter zertifiziert, der Beschluss korrekt? Das kann mühsam sein.

Carmen
Ja, manchmal versuchen Arbeitgeber sogar, Seminare zu blockieren. Wichtig ist, dass wir Rückhalt von der IG Metall haben.

Sabine
Was nehmt ihr aus dem Seminar hier in Beverungen mit?

Carmen
Vor allem den Austausch mit anderen. Neue Ideen aus anderen Betrieben sind immer bereichernd.

Andreas
Und wir haben gemerkt: Zwischen den regionalen und zentralen Angeboten fehlt manchmal die Verzahnung. Eine gemeinsame Übersicht aller Seminare wäre sehr hilfreich.

Sabine
Zum Schluss: Welchen Tipp habt ihr für Kolleg:innen, die Bildungsberatung im Betrieb aufbauen wollen?

Carmen
Unbedingt die Geschäftsstelle ansprechen. Dort gibt es Ansprechpartner:innen für Bildung, die Kontakte vermitteln und unterstützen können.

Andreas
Genau. Ohne Rückhalt aus der Geschäftsstelle wird es schwer. Und: Bildungsberatung heißt lebenslanges Lernen – für uns selbst genauso wie für die Kolleg:innen.

Sabine
Vielen Dank euch beiden für das Gespräch.

 

»Bildungsberatung braucht vor allem Herz und ein offenes Ohr. Man muss verstehen, wo Kolleg:innen hinwollen, und passende Wege aufzeigen«
»Bildungsberatung braucht vor allem Herz und ein offenes Ohr. Man muss verstehen, wo Kolleg:innen hinwollen, und passende Wege aufzeigen«