Bedeutung von Bildungsberatung
Hallo Iris, wir steigen gleich voll ein: Wieso ist betriebliche Bildungsberatung so wichtig?
Zum einen, um den Kolleg*innen Orientierung und Struktur zu geben darüber, welche Qualifikation es grundsätzlich braucht, um einen Überblick über den Rahmen der Mitbestimmung eines Interessenvertreters zu bekommen. Und um für die Rolle und Zuständigkeit (Ausschuss, Projektgruppe, Schriftführer, BRV ….) im jeweiligen Gremium gut gerüstet zu sein. Zum anderen, die Qualifikationen so zu planen, dass für die zu bewältigenden Herausforderungen zur richtigen Zeit gut qualifizierte Kolleg*innen im Team zu finden sind. Da braucht es in den meisten Fällen mehr als nur eine Bildungsschablone, um die Personalentwicklung im Gremium optimal zu gestalten. Im besten Fall übernimmt diese Aufgabe der oder die Bildungsbeauftragte im Gremium.
Ok, komplexes Thema… Wie bekommt ihr denn den Kontakt zu dem betrieblichen Kolleg*innen, die für Bildung in ihren Betrieben zuständig sind?
Wir arbeiten sehr eng mit den IG Metall-Geschäftsstellen zusammen und treffen gemeinsame Verabredungen, in welchen Betrieben ich meine Beratung direkt vor Ort im Gremium anbieten kann.
Dass es in großen Betrieben Bildungsplanung und Bildungsberatung gibt, ist ja verständlich. Aber was ist mit den kleineren Betrieben, wo eh schon alle Betriebsrät*innen mehrere Funktionen haben – fällt Bildung da nicht hinten rüber?
Dass die Bildungsplanung hinten runterfällt, ist nicht nur das Thema von kleineren BR-Einheiten. Es sollte für alle Beteiligten selbstverständlich sein, dass sie egal für welche Aufgaben sie an den Start gehen, qualifiziert sind. Gerade deswegen ist die Bildungsplanung so wichtig.
Mal grundsätzlich: Gibt es eigentlich den klassischen Bildungswerdegang für Metaller*innen? Eine Bildungsbiografie von der Ausbildung bis zur Rente?
NEIN.
Betriebsratswahlen 2026
Tausende neu gewählte Betriebsrät*innen wollen im nächsten Jahr geschult werden. Fangt ihr da jetzt schon mit der Planung an?
Absolut! Schon mit oder bei der Kandidatenauswahl sollte mit den Kolleg*innen über die Seminarmöglichkeiten gesprochen werden. „Wie weiter nach der Wahl, wenn ich es dann bin– was jetzt? Welches Seminar hilft mir vom Start weg?!?“ Da die Termine für die Grundlagenseminare und darüber hinaus für das Jahr 2026 feststehen, kann auch selbst wenn der Kollege nicht weiß, ob er gewählt wird, bereits eine fiktive zeitliche Planung dafür vorgenommen werden.
Was empfehlt ihr neu gewählten Betriebsrät*innnen nach dem Besuch des regionale Einstiegsseminars?
Wir empfehlen den neu gewählten Kolleg*innen in individuellen Beratungsgesprächen zielgerichtet die nächsten Schritte und Möglichkeiten für ihre Qualifizierung. Grundsätzlich ist nach dem Einstiegsseminar immer der Besuch der Ausbildungsreihe BR kompakt ratsam. Darüber hinaus können dann je nach Interesse, Rolle oder Ausschussarbeit im Gremium weitere Spezialisierungsseminare sinnvoll sein. Wir haben dafür ein beteiligungsorientiertes Tool entwickelt, welches im Seminarablauf eingebunden wird.
Betriebliche Bildungsberatung
Zum Abschluss: Hast du eine Empfehlung für deine betrieblichen Bildungsberatungs-Kolleg*innen?
Lasst euch vom Arbeitgeber nicht um eure Bildungsansprüche bringen! Und kennt eure rechtlichen Freistellungsmöglichkeiten. Wir haben dafür ein Tool entwickelt, das wir in Seminaren einsetzen. Es ist ein Bildungspuzzle, das man als Gruppenarbeit durchführen kann. Der Titel: Mein Recht auf Bildung. Da wir dieses ausschließlich im regionalen Einstiegsseminar für Betriebsrät:innen einbinden, geht es maßgeblich um die beiden Freistellungsarten §37.6 BetrVG und § 37.7 BetrVG.
Was es dafür braucht: Moderationskarten (auf denen Aussagen des jeweiligen Gesetzes stehen, welche den Freistellungsarten zugeordnet werden müssen) und Moderationstafeln, auf denen die Gegenüberstellung präsentiert wird. Das Ganze dauert ca. 15 Minuten.
Vielen Dank für das Gespräch. Was ist dein nächstes Seminar?
Gesellschaftspolitisches Up Date – organisierte Rechte im Betrieb
Weitere Infos:
Bildungsplaner für‘s BR-Gremium