Hallo Guido, Ende November findet die vierte Themenwoche Bildung Digital statt – mit über 40 digitalen Angeboten, von denen einige sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen. Warum ist die Auseinandersetzung mit KI in der Bildungsarbeit aktuell so wichtig?
Künstliche Intelligenzen sind längst allgegenwärtig – und eigentlich schon lange Teil unseres Alltags: als Mustererkenner in der Qualitätskontrolle oder in der Fotobibliothek unseres Smartphones, die Tiere, Gebäude oder Menschen automatisch erkennt. Nur: Wir haben sie dort meist nicht als KI wahrgenommen. Seit rund zweieinhalb Jahren ist das erste große Sprachmodell für die breite Öffentlichkeit zugänglich – und erst seitdem wird die Bezeichnung Künstliche Intelligenz dem gerecht, was wir uns darunter vorstellen.
Mensch-Maschine-Schnittstelle
Was diese digitalen Systeme heute mit Sprache tun können, lässt sich leicht mit menschlichen Fähigkeiten verwechseln. Genau das führt dazu, dass sie so nahtlos in die Mensch-Maschine-Schnittstelle eindringen, dass wir oft kaum noch unterscheiden können, ob wir mit einem Menschen oder einer Maschine interagieren. Im Vergleich dazu wirkt eine klassische Suchmaschine inzwischen fast veraltet. Die Antworten, die uns KI-Modelle liefern, sind sprachlich und inhaltlich viel näher an dem, was wir uns unter einer echten Antwort vorstellen – nicht nur an einer Liste von Treffern. Das verändert unseren Umgang mit Sprache und Wissen fundamental.
Fragen werden nicht mehr mit einer Auswahl an Webseiten beantwortet, auf denen wir selbst nach Lösungen suchen müssen. Stattdessen erhalten wir eine fertige Antwort. Das ist im Sinne der Fragenden oft bequem – aber nicht immer im Sinne der Lehrenden. Denn komplexe Fragen werden dabei in eindimensionale Antworten zerlegt, und erst nach mehrfachen Nachfragen erschließt sich das ganze Bild.
Studien zeigen zudem: Menschen, die KI nutzen, um Antworten zu bekommen, gehen oft weniger kritisch mit den Ergebnissen um als früher bei der klassischen Internetrecherche.
Unser Bildungsziel ist es, betriebliche Akteure sowohl handlungs- als auch mitbestimmungsfähig zu machen. Die zentrale Frage in der Bildungsarbeit lautet daher nicht, welches „coole KI-Tool“ uns unterstützen kann, sondern: Was passiert mit uns, während die KI uns unterstützt?
Haben Metaller*innen Nachholbedarf im Umgang mit neuen Technologien und KI?
Nein – genauso wenig oder genauso viel wie alle anderen auch. Wir stecken mitten in einem Transformationsprozess des Denkens. Niemand ist darauf vorbereitet, niemand hat den „richtigen“ Umgang schon gefunden. Wichtig ist jetzt, auszuprobieren, zu beobachten – und sich selbst dabei kritisch zu reflektieren.
Erfahrungsräume schaffen
Was sind die Schwerpunkte deiner KI-Seminare?
Es gibt zwei Zielgruppen: Zum einen die aktiven betrieblichen Akteure, zum anderen die vielen ehren- und hauptamtlichen Referent*innen. Mit den betrieblichen Akteuren möchte ich KIs praktisch ausprobieren und Erfahrungsräume schaffen. Euphorie ist ausdrücklich erlaubt! Gleichzeitig reflektieren wir kritisch, wie sich unser eigenes Verhalten und Denken während der Nutzung verändert. Das muss nicht negativ sein – aber es sollte bewusst geschehen. Anschließend fragen wir uns: Ist unser eigener Transformationsprozess vielleicht auf andere oder sogar auf die Gesellschaft übertragbar? Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie KI die Bildung selbst verändert – und welche neuen Anforderungen daraus für die Referent*innen entstehen.
Verhaltensänderung, soziale Erfahrung, kritisches Denken
Und morgen – übernimmt dann eine KI-Maschine die Rolle der Referent:in?
Ich vermute, ja – zumindest teilweise. KIs werden als Tutor:innen in Zukunft sehr passgenaue Antworten auf Fragen der Teilnehmenden liefern können. Es ist, wie schon gesagt, ein wechselseitiger Prozess zwischen Mensch und Maschine. Darauf müssen wir uns einlassen, zumindest, wenn es um reine Wissensvermittlung geht.
Man kann das gut mit YouTube vergleichen: Viele Menschen lernen mit Videos besser als in klassischen Seminarräumen. Trotzdem bleiben Referent:innen wichtig – nicht in erster Linie als Wissenvermittelnde, sondern als Moderator:innen und kritische Beobachter:innen von außen. Solange Lernen nur Wissensvermittlung meint, kann KI diese Rolle übernehmen. Aber wenn Lernen auch Verhaltensänderung, soziale Erfahrung oder kritisches Denken umfasst, wird der Austausch mit einem Menschen immer unverzichtbar bleiben.
Guido, vielen Dank für das Gespräch. Wir sind gespannt auf deine Workshops während der Themenwoche.
Die Themenwoche Bildung Digital findet vom 26.-28. November 2025 statt.
Guido Brombach ist Mediendidakt im Bildungszentrum Sprockhövel. In seinen (Online-)Seminare geht es hauptsächlich um das sichere Bewegen im Internet, KI, Datenschutz und Mediennutzung.